Ratgeber

Der neue Garten – Anlage nach dem Neubau

Der Boden rund um den fertiggestellten Neubau gleicht in der Regel einem Schlachtfeld. Verdichtete Böden, Spurrinnen und Furchen, Schuttnester und Unebenheiten herrschen hier vor. Damit aus dem Untergrund rund ums Haus ein schöner Garten wird, sind Geduld und verschiedene Schritte nötig.

Model Foto: Colourbox.de

Einer der wichtigsten ist die Bodenlockerung und das Aufwerten des vorhandenen Materials durch Mutterboden. Ist der Untergrund vorbereitet, dann braucht das Areal Zeit, um sich setzen zu können. Im Jahr darauf können die ersten Anpflanzungen starten und aus dem Baugrund wird nach und nach ein Garten, der zum Haus und zu seinen Bewohnern passt.

Gartenanlage frühzeitig planen!

Die Anlage eines Gartens rund um den fertiggestellten Neubau ist grundsätzlich recht einfach, denn es bestehen alle Möglichkeiten der Gestaltung auf diesem „Tabula rasa“, der Bauherr kann seine Vorstellungen weitgehend frei umsetzen. Schon während der Bauarbeiten ist es Zeit zu überlegen, ob der Garten vorwiegend als Gemüsegarten angelegt werden soll, wie viel Rasenfläche Platz findet und ob ein Teich gewünscht wird. Ein Familiengarten ist anders aufgebaut als ein Garten, der vorwiegend der Ästhetik und Entspannung gewidmet ist. Da es im Nachgang aufwändig ist, einen angelegten Garten zu verändern, sollten Bauherren die Chance nutzen und sich jetzt genau überlegen, wie der neue Garten aussehen soll. Das betrifft die Umfriedung der Gartenfläche ebenso wie die Frage, ob auf einem flachen Areal Hügel oder Hochbeete zur Strukturierung entstehen sollen. Wird ein Garten- oder Schwimmteich geplant, ist es wichtig, einen teilbeschatteten Platz zu finden. Das kann durch die Lage, aber auch durch die Anpflanzung geeigneter schnellwüchsiger Sträucher wie Fächer-Ahorn oder Blauzeder, erreicht werden. Während der Gartenplanung können auf dem Grundstück parallel die ersten Vorbereitungen für die Bodenverbesserung getroffen werden.

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Der Bodencheck

Am Anfang steht ein gründlicher Bodencheck, der die Bodenart, aber auch den Nährstoffgehalt umfasst. Die Unterteilung der einzelnen Bodenklassen ist in der DIN 18300 VOB/ C Erdarbeiten zu finden. Unterschieden wird in acht Klassen, wobei die Bodenklasse 1 den hochwertigen Mutterboden bezeichnet, die Bodenklasse 7 schwer lösbaren Fels. Ebenfalls wichtig ist das Maß der Verdichtung. Ein durch Baumaschinen stark verdichteter Boden muss vor der weiteren Bearbeitung unbedingt aufgelockert und belüftet werden. Nur so können sich die notwendigen Bodenlebewesen niederlassen.

Die Bodenart

Nicht jeder Boden ist gleich, das betrifft im ersten Punkt die vorhandene Zusammensetzung. In der Regel lässt sich bereits durch einen Sicht- und Fühltest feststellen, welcher Boden rund ums Haus überwiegt:

  • Nichtbindiger Sandboden (Bodenklasse 3) rieselt gerade so durch die Finger und hält nur wenig Wasser. Diese Böden sind leicht zu bearbeiten und wahrscheinlich wenig verdichtet, enthalten aber wenig Nährstoffe und müssen für den Pflanzenanbau aufgewertet werden
  • Boden in Klumpen, die sich nur schwer zerkleinern lassen und an den Schnittstellen glänzen bestehen aus Lehm (Bodenklasse 4). Nährstoffreich und mit guten Wasserspeichereigenschaften ausgestattet, lässt sich dieser fette und bindige Boden leider nur schwer bearbeiten und verdichtet sich sehr leicht
  • Sind die Eigenschaften des Lehmbodens noch stark verstärkt, dann handelt es sich sogar um Tonboden. In diesem ausgesprochen festen Material können sich Pflanzen nur sehr schwer verwurzeln, der Verdichtungsgrad ist hoch und das bereits unter ganz normalen Umständen
  • Lockerer Boden, der sich nicht sandig anfühlt und deutlich „erdig“ riecht, ist humusreich und ideal für den Anbau von Pflanzen und die Gartenanlage. Liegt so ein Untergrund vor, dann kann es sofort mit der Bepflanzung losgehen. Rund um den Neubau ist das allerdings nur selten der Fall.

Damit die Bodenqualität stimmt, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Häufig wird beim Aushub der Baugrube der Mutterboden auf dem Grundstück großflächig abgetragen und optimalerweise in Grundstücksnähe gelagert. Sind alle Bauarbeiten abgeschlossen, kann der gute Boden wieder aufgebracht werden und bietet die Nährstoffgrundlage für den späteren Garten. Alternativ kann Mutterboden auch aufgekauft werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den vorhandenen Boden abzumagern oder fetter zu machen. Das gelingt, indem das jeweils fehlende Bodenelement in ausreichender Menge zugeführt wird.

Der Nährstofftest

Um genau feststellen zu können, was der vorhandene Boden braucht, empfiehlt sich ein Nährstofftest, mindestens jedoch die Bestimmung des pH-Wertes. Die Bodenproben kann der Bauherr selbst ziehen, anschließend werden mit einem Testkit aus dem Handel oder im Labor die einzelnen Parameter getestet.

Der pH-Wert sagt etwas darüber aus, ob der Boden eher sauer oder basisch ist. Im Handel sind Bodentests erhältlich, die sofortige Ergebnisse liefern. Die Werte reichen von extrem sauer (pH-Wert 0) bis sehr alkalisch (pH-Wert 8). Ideal ist ein pH-Wert rund um 7. Je nach Ergebnis sorgen folgende Zusätze dafür, dass dieser Optimalwert erreicht wird:

  • Alkalische Böden mit sehr hohem pH-Wert lassen sich durch die Zugabe von Torf, Mist oder Kompost ins basische Milieu bringen
  • Sehr saure Böden werden durch Kalkzugaben basischer

Stickstoff-, Phosphat- und Kaliumgehalt können ebenfalls durch Tests selbst bestimmt werden. Wer es genau wissen will, sendet eine Bodenprobe ans Labor, zum Beispiel an eine der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA). Dort werden in einer chemischen Analyse nicht nur der Nährstoffgehalt, sondern auch vorhandene Spurenelemente sowie Schadstoffbelastungen ermittelt. Gegen eine zusätzliche Gebühr werden konkrete Düngeempfehlungen gegeben.

Boden lockern

Durch Baumaschinen, die über den nassen Boden fahren, Lagerung von schweren Baustoffen und anderen Maßnahmen rund um den Hausbau wird der für den Garten vorgesehene Boden meist stark verdichtet. Nach Abschluss der Bauarbeiten ist die Bodenlockerung ein erster wichtiger Schritt. Unterbleibt die Maßnahme, können sich die Pflanzen nicht tief im Boden verwurzeln und bleiben dadurch anfällig und klein.
Im Garten wird der Boden in der Regel bis in eine Tiefe von 30 bis 40 Zentimeter aufgelockert. Das geschieht wahlweise und je nach Größe des Areals durch tiefes Umgraben, die Bearbeitung mit geeigneten Geräten wie Untergrundhaken, Wippscharlockerer oder Spatenpflug. Auch der Einsatz von Bodenfräsen ist möglich. Diese sollten allerdings nur selten eingesetzt werden, da sie die Krümelstruktur des Bodens zerstören und damit die Versickerung von Niederschlagswasser ins Erdreich erschweren.

Mutterboden einarbeiten

Als Mutterboden wird die oberste fruchtbare Bodenschicht in einer Stärke von 30 bis 40 Zentimeter bezeichnet. Mutterboden ist intensiv durchwurzelt und humusreich. Guter Mutterboden hat ein hohes Wasserhaltevermögen und enthält ausreichend pflanzenverfügbare Nährstoffe. Für die Anlage des Gartens rund um den Neubau wird Mutterboden aufgeschüttet, um eine Pflanzebene herzustellen. Gleichzeitig schützt die Schicht den Boden vor Verbrennungen durch Reste von Bauschutt oder Baumaterialien. Der Auftrag erfolgt nach der Lockerung und Glättung des vorhandenen Bodens. Nach dem Aufbringen wird der Mutterboden glattgeharkt und braucht Zeit, um sich zu setzen.

Gründüngung als Schutz

Die sogenannte Gründüngung unterstützt die Bodenlockerung und beugt durch die Bewurzelung gleichzeitig der Erosion durch Wind oder Regen vor. Außerdem wird die Setzung der Mutterbodenschicht gefördert. Die Beschattung durch die Pflanzen schützt den Boden zusätzlich. In der Regel erfolgt die Aussaat im März, geeignete Gründüngungspflanzen sind Lupinen, Klee oder Hülsenfruchtgemenge sowie Raps, Phazelie oder Luzerne. Es handelt sich dabei jeweils um Stickstoffbildner, die den Stickstoffgehalt im Boden auf natürliche Weise anheben.

Durch die Ansaat einer Gründüngung, die im Zeitraum von März bis circa August auf dem Boden wächst, verliert der Gärtner ein gesamtes Pflanzjahr. Das lohnt sich allerdings gleich mehrfach, denn so hat der Boden ausreichend Zeit sich zu setzen, die Bodenstruktur wird verbessert und der Nährstoffgehalt erhöht. Gründüngung ist vor allem dann unverzichtbar, wenn der Garten auf dem Rohboden angelegt werden soll. In diesem Fall empfehlen sich zusätzlich weitere Maßnahmen der Bodenverbesserung.

Bodenverbesserung

Extrem nährstoffarme Böden wie zum Beispiel reine Sandböden oder auch extreme Strukturen wie sie beim Tonboden vorliegen, erfordern besondere Maßnahmen zur Bodenverbesserung. Eine Möglichkeit besteht im Einbringen von Torf oder Stallmist, meist günstiger ist das Einmischen von gut verrottetem Biokompost in den Boden. Vor der Anlage können pro Quadratmeter Boden rund 10 Liter Biokompost – am besten mit RAL-Gütezeichen – eingearbeitet werden. Der Kompost wird flach bis zu einer Tiefe von maximal 20 Zentimeter in den Boden eingebracht. Das verbessert die Bodenstruktur und stellt die gerade für den Wachstumsbeginn notwendigen Nährstoffe für die Pflanzen direkt zur Verfügung. Eine zusätzliche Mineraldüngung kann so in den meisten Fällen entfallen.

Für die Anlage eines langlebigen und fruchtbaren Gartens rund um den Neubau ist einiges an Geduld und Aufwand nötig. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ist der Boden gut vorbereitet und der Garten sorgsam geplant, entsteht im Laufe der Jahre ein gesundes und lebendiges Ökosystem, das nicht nur Raum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren bietet, sondern ebenso einen Nutz- und Erholungsraum für die Hausbewohner.